Zu Content springen
Tierschutz Naturnaher Garten

Igelfreundliche Gärten: Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung

Nicole Bleeck
Nicole Bleeck

Wenn die Tage kürzer werden und die Natur langsam zur Ruhe kommt, beginnt für unsere Igel eine besonders wichtige Zeit. Die kleinen Stacheltiere müssen genügend Energiereserven aufbauen und ein sicheres Winterquartier finden, um den Winterschlaf gut zu überstehen. Doch genau das wird für sie immer schwieriger. Aufgeräumte Gärten, versiegelte Flächen und fehlende Rückzugsorte machen vielen Igeln das Leben schwer. Naturnahe Gärten sind deshalb heute wichtiger denn je. 

Vor einigen Wochen haben wir selbst eine berührende Erfahrung gemacht. Tagsüber entdeckten wir in unserem Garten einen Igel, der sehr schwach wirkte. Da Igel normalerweise nachtaktiv sind, war schnell klar, dass etwas nicht stimmte. Nach Rücksprache mit der Igelschutzhilfe Regensburg bekamen wir erste Hinweise zur Igelrettung und später konnten wir das Tier zu einer "Igel Päpplerin" bringen, die das Tier umgehend versorgte. Leider hat es unsere Fanny nicht geschafft. Die Igeldame war bereits sehr alt und hatte laut Igel Päpplerin Claudia bereits mindestens einmal Nachwuchs. 

Durch die wertvollen Infos und Tipps der Igelschutzhilfe wurde uns bewusst, wie wichtig jede Unterstützung für unsere heimischen Wildtiere ist – besonders dann, wenn wir schon mit einfachen Maßnahmen helfen können.

Die beste Hilfe beginnt direkt vor der eigenen Haustür. Igel lieben naturnahe Gärten mit Hecken, Sträuchern, Totholz- und Laubhaufen. Solche Bereiche bieten Schutz, Nahrung und ideale Plätze für den Winterschlaf. Wer im Herbst nicht jedes Blatt beseitigt und einen kleinen „wilden“ Gartenwinkel zulässt, schafft einen wichtigen Lebensraum für die Tiere. Das ideale Winterquartier besteht aus Reisig, Laub und totem Holz, gerne unter einer Hecke oder in einer geschützten Gartenecke. 

Ebenso wichtig sind sichere "Igel Wanderwege". Igel legen auf ihren nächtlichen Streifzügen oft weite Strecken zurück. Hohe Zäune können dabei unüberwindbare Hindernisse sein. Schon ein kleiner Durchschlupf von etwa 10 x 10 Zentimetern ermöglicht es den Tieren, verschiedene Gärten zu nutzen und ausreichend Nahrung zu finden. Leider ist das mit dem Nahrung finden gar nicht mehr so einfach für unsere Igel. Um sich einen ausreichenden Vorrat für den Winterschlaf anzufressen, benötigen sie ebenfalls unsere Hilfe. Wie und wann man richtig zufüttert.

Auch bei der Gartenpflege können wir Rücksicht nehmen. Mähroboter sollten, wenn überhaupt eingesetzt, möglichst nur tagsüber im Einsatz sein. Igel sind nachts aktiv  und bei Gefahr fliehen sie nicht, sondern sie rollen sich ein und bleiben an Ort und Stelle. Ebenso sollten Laubbläser und Motorsensen unter Hecken vorsichtig verwendet werden. Offene Kellerschächte oder Gartenteiche ohne Ausstieg können ebenfalls zur Gefahr werden und sollten gesichert werden.

Wer einem Igel im Herbst begegnet, sollte nicht vorschnell handeln. Gesunde Igel kommen in der Natur meist gut zurecht. Hilfe benötigen vor allem kranke, verletzte oder deutlich geschwächte Tiere. Ein tagsüber umherlaufender, apathischer oder stark abgemagerter Igel sollte einer Igelstation oder einem igelkundigen Tierarzt vorgestellt werden.

Wir können also viel dazu beitragen, dass Igel auch künftig zu unseren Gärten gehören. Jede Hecke, jeder Laubhaufen und jeder kleine Durchschlupf im Zaun helfen. Wenn viele Menschen gemeinsam mitmachen, entsteht ein Netzwerk aus sicheren Lebensräumen. So sorgen wir dafür, dass die sympathischen Stacheltiere genügend Nahrung, Schutz und Rückzugsorte finden – und gut durch den Winter kommen.

Was uns besonders gefreut hat, es gibt bereits einen Nachfolger für unsere Fanny, den wir jetzt mit unserem neuen Wissen über Winterquartier und Igel Futterstation bestens auf den Winter vorbereiten können.

Diesen Beitrag teilen